Mozarts blinde Pianistin
Carl Philipp Emanuel Bach: Kantate „Die Grazien“ Wq 200/22
Wolfgang Amadé Mozart: Rondo a-Moll für Fortepiano solo KV 511
Leopold Kozeluh: Kantate auf Maria Theresia Paradis (Text: Pfeffel)
Maria Theresia Paradis: Fantasie G-Dur für Fortepiano solo
Maria Theresia Paradis: ausgewählte Lieder
Joseph Haydn: Canzonetten
Ob Maria Theresia Paradis wirklich das Klavierkonzert KV 456 von W. A. Mozart in Paris aufführte, wie der Vater des Komponisten vermerkt, ist fraglich, aber dass sie einander gut kannten, steht außer Frage. Und ähnlich wie Mozart begab sich auch die junge Pianistin auf eine dreijährige Europareise – mit Mutter statt Vater. Ist schon diese Tatsache für eine Frau des 18. Jahrhunderts erstaunlich genug, umso größer wird die Ver- und Bewunderung, wenn man weiß, dass Maria Theresia von Kindheit an blind war. Sie muss eine außergewöhnliche Persönlichkeit gewesen sein, musikalisch in den Disziplinen Klavier und Orgel, Gesang und Komposition ausgebildet, mit
phänomenalem Gehör und Gedächtnis. Dazu von hohem pädagogischem Ethos getragen, als sie 1808 im Zentrum Wiens ein Institut für musikalische Erziehung einrichtete, an dem blinde und sehende Mädchen Unterricht in Klavier, Gesang und Musiktheorie erhalten konnten. In ihrem Haus führte sie einen Salon, lebte unverheiratet mit einem Mann zusammen, der die Libretti für ihre Opern schrieb und ihr vor allem ein Notensetzbrett baute, damit sie Noten lesen und schreiben konnte. Zu legendenhaftem Ruhm kam sie schließlich durch die Bekanntschaft mit dem umstrittenen Arzt Franz Anton Mesmer, dessen Heilungsversuche ihrer Blindheit fehlschlugen (das Thema seiner lateinischen Doktorarbeit, die er an der Medizinischen Fakultät der Universität verteidigte, lautete übrigens: Der Einfluss der Planeten auf den menschlichen Körper). Mit allen Komponisten, deren Werke in diesem Konzert aufgeführt werden, war Maria Theresia bekannt oder sogar befreundet: Kozeluh war ihr hoch verehrter Kompositionslehrer, von Carl Philipp Emanuel Bach soll sie alle Klavierkonzerte gespielt haben, Haydn studierte mit ihr sein Oratorium Die Schöpfung ein.
Dorothee Mields, Sopran
Christine Schornsheim, Hammerflügel
Die deutsche Sopranistin Dorothee Mields stammt aus Gelsenkirchen, studierte an der Hochschule für Künste Bremen und unterrichtet seit 2018 dort selbst. Sie ist eine der führenden Interpretinnen der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts. Neben ihrem Barockmusik-Schwerpunkt sind Kammermusikprojekte wichtiger Bestand ihres künstlerischen Schaffens. Bei Rezitalen und Liederabenden tritt sie unter anderen mit dem Boreas Quartett, dem Hathor Consort, Lee Santana, Wiebke Weidanz und Lucius
Rühl auf. Mit dem G.A.P Ensemble stellte sie Werke von J. S. Bach und Dimitry Schostakowitsch einander gegenüber. Mields ist auch als Interpretin zeitgenössischer Musik tätig. Eine stetig wachsende Diskographie mit etlichen preisgekrönten Aufnahmen dokumentiert ihr künstlerisches Schaffen. Die Einspielung „Handel’s Tea Time“ mit der Freitagsakademie Bern wurde für den OPUS-Klassik 2021 nominiert. Dorothee Mields hat viel mit dem 2017 verstorbenen Cembalisten Ludger Rémy zusammengearbeitet und mit ihm Werke von weitgehend unbekannten Komponisten aufgenommen.
Christine Schornsheim ist den Schlosskonzerten in Bad Krozingen seit vielen Jahren in besonderer Weise verbunden, nicht nur als Pianistin, sondern auch als künstlerische Leiterin, Pädagogin und Organisatorin der Reihe „Mozart donnerstags um 5.“ Dem musikalischen Nachwuchs ein Forum zu bieten, ist ihr ein großes Anliegen. An der Hochschule für Musik und Theater München leitet Christine Schornsheim das Institut für Historische Aufführungspraxis. Von ihrer Erfahrung als Solistin, Kammermusikerin oder Liedbegleiterin mit historischen Tasteninstrumenten können allerdings nicht nur ihre Absolventen lernen, sondern gleichermaßen ihre Zuhörer und Zuhörerinnen. Kanonische Werke des 18. Jahrhunderts hat sie aufgenommen, darunter das „Wohltemperierte Klavier“ und die „Goldberg-Variationen“ von J. S. Bach sowie das komplette Klavierwerk von Joseph Haydn, doch unermüdlich sucht Christine Schornsheim auch nach Raritäten. Den Frauengestalten möchte sie dabei einen gebührenden Platz einräumen, wie jetzt Maria Theresia Paradis.

