Wort und Ton II: Buchpräsentation
Gerwig Epkes im Gespräch mit der Autorin Walburga Hülk über ihre Biographie „Victor Hugo. Jahrhundertmensch“.
Edoardo Torbianelli, Hammerflügel
„Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber es unmöglich ist, zu schweigen“ (Victor Hugo über die Liebe). Weder „Rigoletto“ noch „Ernani“ würden wir als Opern von Giuseppe Verdi kennen, wenn sie nicht auf erfolgreichen Theaterstücken „Le Roi s’amuse“ und „Hernani“ sowie Romanen des berühmten französischen Schriftstellers Victor Hugo basierten „Der Glöckner von Notre-Dame“. Wer aber war der Schriftsteller und Politiker Victor Hugo? Kurz gesagt: der berühmteste und erfolgreichste Schriftsteller Frankreichs im vergangenen Jahrhundert. Er hat eine ähnliche Bedeutung für die Franzosen, wie Goethe für Deutschland. Victor Hugo beeindruckte jedoch nicht allein aufgrund seiner Bücher, sondern auch, weil er die französische Politik seiner Zeit kritisch begleitete und deshalb von Französinnen und Franzosen bewundert wurde. Er war derjenige, der damals einen Frieden zwischen Frankreich und dem Deutschen Reich vorschlug und ein geeintes Europa forderte.
Walburga Hülk, die in Freiburg studierte und in Siegen an der dortigen Universität bis 2019 als Professorin Romanische Literaturwissenschaften lehrte, hat mit „Victor Hugo. Jahrhundertmensch“ eine rasante Biografie über das „abenteuerliche und widersprüchliche“ Leben Victor Hugos (1802–1875) geschrieben. Hugo war nicht nur Romantiker, er war auch Realist: Während seiner Exilzeit (1851–1859) pflanzte er auf der Insel Guernsey einen Baum als Symbol für ein Europa. Mit großem Ernst verfolgte er die Vision eines Europas und sah den Rhein nicht als Grenze zwischen Frankreich und Deutschland, sondern als Verbindung zwischen beiden Ländern. Hugo kämpfte gegen Armut, Sklaverei, Todesstrafe und für eine demokratische Regierungsform, obwohl er Napoleon I. bewunderte.
Dr. Gerwig Epkes war bis zu seiner Verrentung Feature- und Literaturredakteur beim SWR Baden-Baden und dort insbesondere für die SWR-Bestenliste zuständig. Dazu gehörte die Moderation der monatlichen öffentlichen Veranstaltungen und ihre Aufzeichnung mit Publikum an unterschiedlichen Orten.
Edoardo Torbianelli begleitet das Gespräch zwischen Gerwig Epkes und Walburga Hülk mit Musik von Komponisten, die Hugo am meisten schätzte: Verdi, Liszt, Beethoven und zeitgenössische französische Komponisten. Der Pianist stammt aus Triest, studierte in seiner Heimatstadt Klavier und Cembalo und setzte seine Ausbildung in Antwerpen und Tillburg fort. Sein schon früh erwachtes Interesse an historischer Aufführungspraxis konzentriert sich auf die Technik und Ästhetik des klassischen und romantischen Klavierspiels. An der Schola Cantorum Basiliensis und an der Hochschule Bern ist er seit 1998 respektive 2008 Dozent für Hammerklavier, Kammermusik und historische Aufführungspraxis. Er gilt auch als Fachmann für didaktische Fragen.

